Mittwoch, 17. September 2008
stand up for your rights 9 - die Rückkehr der Restauration oder Haben wir's wirklich übertrieben ?
Ich glaube jeder hat so einen Zeitraum auf den man zurückblickt und in den man meint die goldene Zeit zu erblicken.

Für mich ist dies das Jahr 1999.

Nicht für mich persönlich, sondern einfach von den "Außenbedingungen" her - diese waren zu der Zeit zwar nicht perfekt, aber vermutlich die besten die (jedenfalls zu meinen Lebzeiten) die man so haben kann.

Und seitdem ist so ziemlich alles den Bach runtergegangen ;-)

Goldene Zeiten

Rot-Grün stand erst am Anfang und man machte sich große Hoffnungen

In Amerika herrschte noch ein Präsident, der zwar seine Hände nicht von seinen Praktikantinnen lassen konnte, aber wenigstens

-beeep-

R:"Kein Kommentar"

Kyoto war zwar nicht gerade der große Bringer, aber wenigstens sah es damals so aus als würde sich sogar die USA dem anschließen was da drin stand

Die Bahn fuhr ohne Hr. Mehdorn und seine glorreichen Ideen zur Verbesserung des Jahresgewinnes durch die Gegend

Die Autofahrer freuten sich über (aus heutiger Sicht) moderate Benzinpreise

Wirtschaft & Börse boomten zwar nicht, drehten aber nicht völlig am Rad

Raucher durften rauchen ;-)

Innere Sicherheit & die damit einhergehende Generalüberwachung waren nur Thema für völlig durchgedrehte Fanatiker

usw.

Tja damals war ich der Meinung, dass wenn man den drohenden Weltuntergang am Jahreswechsel (Y2K-Hysterie erinnert sich heutzutage noch jemand daran?) überleben würde, ein wahrhaft "goldenes Zeitalter" kommen würde

errare humanum est

Scheibenkleister war's!

Und nun beinah 10 Jahre später frage ich mich, wie es dazu kommen konnte.

1. These:

Wir haben's übertrieben!

Ja, das musste mal gesagt werden

Raucher rauchten wo sie nur konnten (dass dies die Nichtraucher aufregt kann man verstehen - dass was als Rache kam nicht so)

Autofahrer fuhren sogar die 20 Meter zum Zeitung holen am Morgen (das das Öl irgendwann mal ausgeht, wußte man damals schon - und sie fahren immer noch!)

2.These:

Wenn man es übertreibt, bekommen die Leute ein Argument gegen dich in die Hand, die dich sowieso nicht mögen, um damit bei den Leuten die dir zwar nicht ganz so ablehnend vielleicht sogar freundlich gegenüberstehen, die Meinung radikal zu ändern.

Dies ist bei den Rauchern der Fall gewesen ;-)

Aber nicht nur dort - auch wenn man allgemein den Trend der "Jugendfeindlichkeit" hierzulande untersucht, wird einem klar, dass dadurch dass die Jugendlichen heutzutage & damals maßlos übertrieben haben, es für die restaurativen autoritären Superpädagogen ein leichtes Spiel ist alle möglichen Verbote & Regeln durchzusetzen, Alkoholverbote (u.ä.) & Schuluniformen sind hierbei nur der Anfang!

3. These

Wenn diese Leute, ich nenn sie mal einfach Ordnungsfanatiker, erst mal merken, dass sie Oberwasser haben, können sie auch nicht mehr aufhören, vor allem wenn sie durch äußere Umstände auch noch zusätzlich Rückenwind bekommen.

Dies gilt vor allem für die Innere Sicherheit und diesen ganzen Datenquark (9/11 & die Folgen).

Aber auch z.B. für die Bahn und diesen ganzen Reservierungskram über den ich mich nach 6 Jahren immer noch aufrege.

Warum eigentlich?

Nun ganz einfach, es ist nun mal für mich eine Beschneidung meiner Reisefreiheit wenn ich für ein Ticket 2x soviel bezahlen muss (praktischer Fall: Stuttgart - Wolfratshausen ohne Reservierung ca. 50 € mit Reservierung 31 €), wenn ich mir meine Optionen noch offen halten will - und die Bahn als (Noch/Beinah-) Staatsunternehmen ist dieser Reisefreiheit verpflichtet, die ein Bestandteil der bürgerlichen Demokratie sein sollte.

Gerade werden überall Rechte beschnitten, Gesetze beschlossen, Menschen kategorisiert und so wie aussieht wird dies nur der Anfang sein - "1984 mit menschlichen Antlitz" das ist keine Utopie sondern der jetztige Zustand und es ist nur eine Frage der Zeit bis das menschliche Antlitz verschwindet und es zu spät ist noch was dran zu ändern.

Ändern ist das Stichwort

"Wir müssen uns selbst verändern damit wir draußen was verändern können"

diesen Satz habe ich von dem Mann meiner Mom (so in etwa ;-) kein Originalzitat, ich weiß, ich weiß) mal reingedrückt bekommen als ich mich mal wieder über die heutigen Zustände aufgeregt habe.

Das heißt z.B. dass wir uns halt selbst ein bißchen an die Leine nehmen müssen, wir leben zwar in einer ziemlich liberalen Gesellschaft, aber bestimmte Sachen müssen wir halt von uns aus einhalten.

z.B.:

Grüßen - es ist einfach ein Gebot der Höflichkeit, dass immer mehr ignoriert wird

Aussteigen lassen - Hört sich vielleicht lächerlich an, aber es ist schon schlimm was für Zustände manchmal herrschen wenn es ums Ein/Aussteigen in ein öffentliches Verkehrsmittel geht

Schwächere unterstützen - bestes Beispiel - nochmal zum Aus- bzw. Einsteigen - wenn da so ne alte Oma mit ihren Koffern herumsteht oder eine Mutter mit ihren Kinderwagen - nicht einfach ignorieren oder sich sagen "ich hab so wenig Zeit, dass soll mal jemand anders machen" - sondern anpacken, es ist nicht gerade schwer und der Zeitverlust -pffft-. Man weiß nie ob man nicht selber mal in sone Situation kommt

Alles in Maßen - Komasaufen bringts auch nicht gerade, wenn man sich dann hinterher nicht daran erinnert.

usw.

Wenn wir uns nämlich an gewisse gesellschaftlichen Spielregeln halten, haben die Ordnungsfanatiker auch keine Ausflüchte mehr dies über Gesetze regeln zu müssen und wir können endlich deren ihre -beeep- rückgängig machen.

fin

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